Sonntag, 20. Oktober 2013

BuCon 2013 - Von Tintenzirklern, tollen Lesungen und dem Pleitegeier des DPP

Etwas über eine Woche später möchte ich gerne ein wenig über meinen Besuch des BuCons erzählen. Wer meinem Blog schon etwas länger folgt, erinnert sich vielleicht an meinen Bericht vom letzten Jahr. Für alle neuen Leser erkläre ich mal kurz, was der BuCon überhaupt ist.

Die bunte Meute der Tintenzirkler
Die Abkürzung steht für Buchmesse Convent. Das ist quasi die kleine, im wahrsten Sinne des Wortes phantastische Schwester der Frankfurter Buchmesse. Veranstaltungsort ist seit Jahren das Bürgerhaus Dreieich-Sprendlingen. Hier liest jedes Jahr so gut wie alles, was in der deutschen Fantasy und Science Fiction Rang und Namen hat. Außerdem hat man die Möglichkeit, viele renommierte, aber auch kleinere und neuere Verlage der genannten Genres kennenzulernen. Und seit einigen Jahren ist der BuCon auch Treffpunkt der Mitglieder des Tintenzirkels, eines Fantasy-Autorenforums, in dem auch ich Mitglied bin.

Nach dieser kleinen Erklärbär-Exkursion kommen wir jetzt zum eigentlichen Bericht.

Acht Stunden Bahnfahrt trennten meinen Freund und mich von unserem ganz und gar nicht grummeligen Gastgeber, der auch dieses Jahr wieder einigen Tintenzirklern Unterschlupf bot. Ich will euch nicht mit Details langweilen, deswegen sei nur gesagt, dass es auch dieses Jahr wieder eine sehr gesellige, wenn auch sehr kleine Runde aus Tintenzirklern (und einem Nicht-Zirkler) war. 

Blick auf den Zirklertisch, (c) Stefanie Bender
Am nächsten Tag ging es dann im Auto der wunderbaren pink_paulchen nach Dreieich. Die Fahrt von immerhin anderthalb Stunden ging dank informativer und lustiger Gespräche schnell vorbei. 
In Dreieich angekommen, steuerten wir direkt auf den Tisch der Tintenzirkler zu. So viele Menschen! Gerüchten zufolge stellte der Tintenzirkel dieses Jahr mehr als 10 % der Besucherzahl, die mit rund 500 Fantasy- und Science Fiction-Begeisterten einen neuen Rekord erreicht hat. Bald muss das Bürgerhaus Dreieich wohl noch mehr Räumlichkeiten als nur das Foyer, den Hauptsaal, Transporter- und Maschinenraum sowie Hangar- und Holodeck bereitstellen (habe ich schon einmal erwähnt, dass ich die Bezeichnungen der einzelnen Räume großartig finde?) Sonst könnte es nächstes Jahr doch etwas eng werden.

Nachdem ich meinen Freund bei meinem Begleiter vom letzten Jahr 'geparkt' habe, ging dann das große Quasseln mit den Tintenzirklern los. Ich habe alte und neue Gesichter getroffen und viele tolle Gespräche geführt, auch wenn ich es leider nicht geschafft habe, jedem einzelnen Hallo zu sagen. Bei der Menge an Menschen aber auch kein Wunder, außerdem wollte ich mich ja auch noch ein wenig umsehen. Die Stände
der Verleger waren auch dieses Jahr wieder sehr gut ausgesucht, so waren unter anderem der Verlag Torsten LowSaphir im Stahlder Machandel-Verlag und Ulisses-Spiele vertreten. Am Werkzeugs-Stand konnte man Werke aus vielen verschiedenen Verlagen, auch solche, die nicht vor Ort waren, erwerben, so zum Beispiel den Roman meiner Tintenzirkel-Kollegin Ann-Kathrin Karschnick. Ganz besonders hat mich übrigens gefreut, dass Hanna Noldens "Katzenschatz", erschienen bei Machandel, innerhalb kürzester Zeit komplett ausverkauft war. Einen ähnlichen Erfolg konnten auch Sarah König mit "Ferdinand von Schnatter der Viertelnachzweite", von dem soweit ich weiß nur ein einziges Exemplar übrig blieb, und Helen B. Kraft mit ihren Werken rund um den Dämon Shatan verbuchen . Und Alana Falks Roman "Die blutigen Schuhe" feierte auf dem BuCon sein Debüt. (Nein, das hier soll übrigens kein Guerilla-Marketing werden, ich freue mich nur wirklich, dass diese Mädels so gut ankamen - sie haben es wirklich verdient.)

Publikum der Krieger, (c) Torsten Low
Die Krieger in Aktion, (c) Tom Daut
Gegen 16 Uhr holte ich dann meinen Freund wieder ab und schleifte ihn nebst meinem Begleiter aus dem letzten Jahr zur Krieger-Lesung des Verlag Torsten Low. Nachdem sie sich ein klein wenig verspätet hatte und vom Publikum lautstark in den Raum zitiert wurde, kündigte Ann-Kathrin Karschnick mit gewohntem Charme die Krieger an, die sich zum Lesen in Dreieich eingefunden hatten: Stefanie BenderMike Krzywik-GroßJudith und Christian Vogt (mit tatkräftiger Unterstützung von Tom Daut als Erzähler) und Torsten Scheib. Die gesamte Lesung war einfach nur erste Sahne, mit guten Geschichten und tollen Lesestimmen. Das spiegelte sich auch in der Anzahl der Zuhörer wider - fast alle Stühle waren besetzt, und die Resonanz in den Berichten zur BuCon war durchweg positiv. Mir persönlich hat übrigens die Geschichte von Stefanie Bender am besten gefallen, auch wenn sie in meinen Augen gegen Ende hin einen kleinen Hänger hatte, über den man jedoch angesichts des toll akzentuierten Vortrags der Autorin leicht hinwegsehen konnte.

Die zweite und letzte Lesung, die ich besuchte, war die von Bernhard Hennen. Wie auch schon letztes Jahr war es weniger eine Lesung als eine Gesprächsrunde, in der der Autor den Zuhörern Rede und Antwort stand und sogar ein bisschen aus dem Nähkästchen plauderte. Die "norddeutsche Variante" (beharrliches Schweigen des Publikums) hatten wir glücklicherweise nicht :) Danach haben mein Begleiter vom letzten Jahr und ich noch ungefähr eine halbe Stunde 'im Privaten' mit Hennen geplaudert, während wir uns unsere Ausgaben der Drachenelfen-Romane signieren lassen haben. Ich kann nur immer wieder betonen, was für ein unglaublich netter und bodenständiger Mensch Bernhard Hennen ist. Man kann mit ihm so ziemlich über alles quatschen, was mit der Fantasy (nicht nur seinen eigenen Werken) und dem Autorendasein an sich zu tun hat. Unser Gespräch (oder eher, das Gespräch meines Begleiters, ich selbst habe nur wenig gesagt, verschüchtertes Ding, ich) beispielsweise bezog sich auf Synchronsprecher, die Anlehnung von Fantasyvölkern an reale historische Völker und die Namensgebung in Fantasyromanen.

Durch dieses Gespräch mit Hennen haben wir auch ein Stück der Verleihung des Deutschen Phantastik-Preises verpasst. Allerdings war das nicht weiter tragisch, wie mein Freund mir sagte, denn die Verleihung hat viel später begonnen als geplant, sodass uns vielleicht zehn Minuten fehlten. Rückblickend betrachtet wünschte ich mir fast, wir hätten noch länger mit Hennen geplaudert, denn auch der Rest der Verleihung war nicht so prall. Lahme Witze, Technikprobleme und keinerlei Infos zu den Gewinnern (die ihr übrigens hier findet) - die Verleihung schaffte es, sogar noch langweiliger zu sein als die vom letzten Jahr. Dadurch, dass sie die ihr angedachte Zeit weit überschritten hat, musste die Lesung von Isrogant gekürzt werden, und, wie ich später noch hörte, fiel die einer extra aus dem Ausland angereisten Autorin komplett aus. Daumen runter, liebe Organisatoren des DPP! (die übrigens nicht die Veranstalter des BuCon waren, sondern ein externes Team)
Zirklerparade im Restaurant, (c) Stefanie Bender

Nach dieser Enttäuschung verabschiedeten wir uns von meinem Begleiter aus dem letzten Jahr und fielen zusammen mit einigen anderen Tintenzirklern einer Heerschar (oder Heuschrecken? ;)) gleich in das Restaurant ein, das sich direkt neben dem Bürgerhaus Dreieich-Sprendlingen befindet. Ich glaube fast, die Kellner waren mehr als nur ein klein wenig genervt - überfordert allerdings nicht, denn nachdem sie für uns Tische zusammengeschoben hatten, wurden Essen und Getränke relativ fix serviert. Nur in einigen wenigen Fällen wurde etwas vergessen.
Dieser gemeinschaftliche Überfall bot mir die Möglichkeit, noch mit so einigen anderen lieben Menschen aus dem Tintenzirkel zu sprechen. Irgendwann gesellten sich dann tatsächlich auch noch die beiden Moderatoren des Deutschen Phantastik-Preises (die übrigens sehr, sehr nett und humorvoll sind! Ganz anders, als ich sie bei der Verleihung wahrgenommen habe) sowie der hochgradig sympathische Bernd Perplies dazu. Ein schöner Ausklang für einen durchweg gelungenen Tag mit tollen Lesungen, inspirierenden Gesprächen und vielen neuen Bekanntschaften. BuCon 2014, you can count on me!