Dienstag, 25. Februar 2014

[Rezension] Stefanie Mühlsteph - Nerdikon

Was ist überhaupt ein Nerd, und worin unterscheidet er sich vom Geek? Wozu sind Hexedezimalzahlen und Binärcodes gut, wie klingt Nerdcore und wieso verehren Geeks und Nerds Yoda, Mr. Spock und die Zahl \pi? Weshalb tragen Nerds Hornbrille und Rollkragenpullover, während Geeks auf T-Shirts mit unverständlichen Aufdrucken stehen? Und was zum Teufel hat Zoidberg aus Futurama mit diesem Cthulhu zu tun?
Stefanie Mühlsteph hat während ihres Studiums der Elektro- und Informationstechnik die Bekanntschaft zahlreicher Exemplare der Nerd- und Geek-Spezies gemacht. Die Autorin kennt sich also bestens aus in der Welt der Streber.
Mit dem Nerdikon will sie zu einem besseren Verständnis jener etwas sonderbaren, aber durchaus liebenswerten Form Mensch, die wir gemeinhin Nerd nennen, beitragen. So werden hier nicht nur die wichtigsten Fachbegriffe erklärt, sondern auch zahlreiche Hintergrundinformationen und witzige Anekdoten geliefert. Höchst amüsant und erhellend - ein Muss für alle Normalbegabten!

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Format: Taschenbuch
Verlag: Schwarzkopf & Schwarzkopf
Seiten: 224
Preis: 9,95 €

Wenn man das Wort 'Sachbuch' hört, denkt man meist an staubtrockene und langweilige Literatur über ein Thema, das keinen so wirklich interessiert. Diese Annahme ist beim Nerdikon weit gefehlt! Denn Stefanie Mühlsteph versteht es, dem Leser mit einem unterhaltsamen Stil und einem frechen Augenzwinkern die Welt dieser ominösen Interessensgemeinschaft namens Nerds und Geeks nahezubringen.

Ein besonderes Augenmerk legt sie dabei auf die weiblichen Vertreter dieser seltsamen Spezies Mensch. Wer aber unerträgliches Emanzen-Gerede erwartet, irrt sich gewaltig. Denn Mühlsteph ist nicht darauf aus, die Männerwelt zu missionieren, sondern kommentiert lediglich auf ihre unnachahmlich sympathische Art und Weise die Tatsachen, die die heutzutage männerdominierte IT- und Technikwelt gerne verdrängt.

Das Hauptanliegen des Nerdikon ist aber trotz allem immer noch, ein wenig aufzuräumen mit den Nerd-Klischees von sozial inkompetenten, hornbrillentragenden Strebern. Denn es gibt genug Nerds, die durchaus Partytiere mit einem wenn auch zuweilen ziemlich eigenen Modebewusstsein sind. Und, was noch viel wichtiger ist: Nerds sind mitnichten eine seltsame Gruppierung, die man meiden sollte. Im Gegenteil: Man sollte ihnen ein Denkmal bauen für alles, was sie für die moderne Gesellschaft geleistet haben. Denn die Nerds waren es, die uns all das brachten, was wir heutzutage als Technik bezeichnen - vom PC über das Betriebssystem und das Internet bis hin zum Smartphone. Und sie halten es auch am Laufen. Sie sind sozusagen das Schmieröl unserer zunehmend digitalisierten Welt.

Neben diesen wertvollen Erläuterungen zur Geschichte der Nerds und Geeks trumpft das Nerdikon zu guter Letzt auch mit dem auf, was ihm seinen Namen verliehen hat: Das kleine Lexikon der fabelhaften Streber-Welt. Von A wie Animes bis Z wie Zombieapokalypse erklärt Mühlsteph die wichtigsten Begriffe, denen man im Umgang mit Nerds begegnen kann, und verweist auf jene Bücher, Fernsehserien und Veranstaltungen, die Geeks regelmäßig zum Ausflippen und zum Fangasm bringen. Untermauert wird das Ganze mit Tabellen, Listen und sympathischen Statistiken (die natürlich keinerlei Anspruch auf Richtigkeit haben), sowie den wunderbaren Illustrationen der Künstlerin Jana Moskito.

Fazit

Alles in allem ist das Nerdikon ein Büchlein, das einen guten Einblick gibt in eine Welt, die den meisten Menschen leider noch so fremd ist wie das Sternsystem Alpha Centauri, und sich dabei selbst nicht so bierernst nimmt, wie es für Sachbücher eigentlich üblich ist. Stefanie Mühlstephs Witz und Charme brachten mich so manches Mal in aller Öffentlichkeit zum Schmunzeln und leisen Kichern und machten es mir persönlich beinahe unmöglich, das Buch aus der Hand zu legen. Eine definitive Empfehlung und 5 von 5 Sternen!