Montag, 22. Juli 2013

[Rezension] Yalda Lewin - Die dunkle Seite des Weiß



Eine Patientin der Beelitzer Heilstätten verschwindet im Jahr 1911 spurlos – und taucht 100 Jahre später kaum gealtert wieder auf. Die Tote wird in den Ruinen des berühmten Lungensanatoriums gefunden und stellt die Behörden vor Rätsel.

Der Hochsensible Jakob Roth, einst bester Ermittler für paranormale Kriminaldelikte in Berlin, übernimmt den Fall der mysteriösen Leiche. Er, der zwei Jahre zuvor aufgrund eines „unliebsamen Vorkommnisses“ unehrenhaft entlassen wurde, kämpft allerdings nicht nur um die Aufklärung des Mysteriums, sondern auch um die Wiederherstellung seines Rufes und um die Liebe einer Frau, die er nicht vergessen kann. Doch genau das könnte ihn das Leben kosten ...





Ein paranormaler Krimi mit dem Schauplatz Berlin - eine Mischung, die man in Zeiten, in denen nur Amerika oder seltener Großbritannien als Schauplatz cool sind, nur selten antrifft und die deswegen bei der Veröffentlichung sofort meine vollste Aufmerksamkeit hatte.

Der Roman zog als E-Book bei mir ein. Entgegen der momentanen Mentalität auf dem E-Book-Markt wurde sich sowohl für Cover als auch Layout und Satz sehr viel Mühe gegeben. Ich konnte keinen einzigen Tippfehler entdecken - ein Lob geht deswegen auch an das Lektorat.

Doch genug zu den "Äußerlichkeiten". Die Autorin hat einen sehr speziellen Schreibstil, der zuweilen poetisch ist und manchmal recht verwinkelte Satzkonstrukte aufweist, die der Lesbarkeit aber keinerlei Abbruch tun. Im Gegenteil: Mir ist selten ein Roman untergekommen, der sich trotz des medizinischen Grundthemas so flüssig herunterlesen lässt wie "Die dunkle Seite des Weiß". Zudem versteht es Yalda Lewin, den Leser zu fesseln, und es gelingt ihr, kleine Details so geschickt einzubauen, dass man sie im Kopf behält, obwohl man sie vielleicht gar nicht bewusst bemerkt hat. Alles in allem passt der Stil zu der erzählten Geschichte wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge, trotz oder vielleicht gerade wegen dem trockenen Humor des Ich-Erzählers Jakob Roth.

Jakob Roth ist beileibe keine leichte Persönlichkeit, dennoch schafft es Lewin, ihn wenn schon nicht unbedingt sympathisch, dann zumindest nachvollziehbar darzustellen. Auch die anderen Figuren werden von ihr lebhaft gezeichnet, selbst die, die wie der etwas seltsame Gerichtsmediziner Hades nur am Rande agieren. Die verzwickte Beziehung zwischen Jakob und seiner Ex-Frau Mirella ist immer realistisch und verläuft sich nicht im Kitsch, auch wenn Jakobs ständiges Gedankenkreisen um Mirella zuweilen etwas anstrengend sein kann.

"Die dunkle Seite des Weiß" ist ein außergewöhnlicher und erfrischend anderer Roman, der den schwierigen Balanceakt zwischen Geheimnis, Gefühl und Action mit Bravour meistert und durch intensiv gezeichnete Figuren, den trockenen Humor und gelungene Dialoge und Atmosphäre glänzt. Die meisterhaft miteinander verknüpften Aspekte des Romans ergeben ein sehr harmonisches Gesamtbild, das sich sehr schnell herunterliest und einfach nur fesselt.

Fünf von fünf Sternen und eine uneingeschränkte Empfehlung auch an Genrefremde.