Dienstag, 16. Juli 2013

Rezension: Guaia Guaia - Eine Revolution ist viel zu wenig


Guaia Guaia - Eine Revolution ist viel zu wenig
(2013, Universal)


1. Absolute Gewinner
2. Terrorist
3. Von Stadt zu Stadt
4. Häuschen am Ostkreuz
5. Neues Land
6. Die Reichen
7. Mach sauber
8. Pfandflaschenbusiness
9. Analphabet
10. Eigenes Vorbild
11. Alle Autos fliegen hoch
12. Superpenner
13. Eine Revolution ist viel zu wenig

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Von der Straße zum Major Label - Guaia Guaia haben es geschafft. Das Mecklenburger Duo, bestehend aus Elias Gottstein (links im Bild) und Luis Zielke (rechts), das seit 2010 auf selbstgebauten Fahrrädern durch die Republik düst, all ihre Habseligkeiten immer bei sich und ohne festen Wohnsitz, hätte sich wohl selbst kaum gedacht, dass es je so weit kommt. Schließlich ist das Unterschreiben eines Plattenvertrags ja fast so etwas wie sich genau der Konsumgesellschaft hingeben, die sie so verabscheuen, oder?

Wie dem auch sei. Guaia Guaia haben sich jedenfalls auf dieses Experiment eingelassen und am 12. Juli ihr erstes nicht-selbstproduziertes Album "Eine Revolution ist viel zu wenig" auf den Markt gebracht, einen Tag nach der Premiere ihres Dokufilms "Unplugged: Leben Guaia Guaia".

Was haben wir da also? Erst einmal eine bunte Mischung aus Elias' Gitarre, Luis' Trompete und Beats vom Laptop. Das sympathische Straßenkünstler-Duo mischt ohne Angst vor Genregrenzen so ziemlich alles, was ihnen in die Finger gerät, so wie sie es auch abseits des Musikmachens tun. Heraus kommt also "HiphopFunkReggaeRockElectroPop", wie n-tv so hübsch zusammenfasst. Nicht immer gelungen ("Die Reichen") und nie das wirklich neu erfundene Rad, aber die Konservenbüchsen-Beats sind auch nicht das, was Guaia Guaia ausmachen. Denn dafür sind die Texte zuständig: ungeschliffen, unverschämt und mit gekonnt eingeflochtenen Witz sprechen Guaia Guaia Klartext über ihr Leben auf den Straßen der Republik ("Von Stadt zu Stadt"), Probleme mit der Polizei ("Terrorist", "Häuschen am Ostkreuz") und die Intoleranz der Deutschen (eindrucksvoll im Titelsong: 'Hier bei uns im Land der Glatzen / Kann ein Kopftuch ja nur Terror sein / Ja im Land der Waffenschmieden / Können Friedenstauben Bomben sein'). Sich selbst sieht das Duo dabei als "Absolute Gewinner", denn ihrer Meinung nach kann man aus jeder Situation etwas gewinnen. Selten war Naivität so sympathisch.

Neben den Texten verfügen aber auch die Herren selbst über ordentlich Wiedererkennungswert: Elias mit seiner leicht nasalen, an Jan Delay erinnernden Stimme, Luis mit seinem unglaublich tiefen Bariton, mit dem er prima synchronsprechen könnte. Richtig gesungen wird nicht, vermutlich würde das auch schief geraten, aber der Sprechgesang der beiden Mecklenburger passt ohnehin viel besser zur ihrer Musik. Und wenn sie dann noch gestehen, "Analphabet" zu sein - ja, dann kann man Guaia Guaia eigentlich nur noch mögen.

3/5 plus ein fetter Sympathiepunkt meinerseits für dieses durchaus gelungene Major Label-Debüt.